Frankreich und Bolivien – Zusammenarbeit auf verschiedenen Ebenen

Die beiden Länder sind nicht nur ungefähr gleich groß, es gibt weitere Verbindungen. Zum einen ist Bolivien ein beliebtes Ziel für Sprachreisen von Franzosen. Es gibt Programme, die eine Unterbringung in Gastfamilien in Kombination mit täglichen Sprachkursen anbieten.

Die wirtschaftliche Zusammenarbeit der Länder ist jedoch noch ausbaufähig. Der Marktanteil französischstämmiger Unternehmen in Bolivien beträgt insgesamt nur ungefähr ein Prozent. Im Jahr 2004 wurden Waren im Wert von siebzehn Millionen Euro nach Bolivien exportiert. Der Fokus der bolivianischen Nachfrage nach französischen Produkten liegt in den Bereichen Pharmazie und Landwirtschaft. Umgekehrt bezieht Frankreich aus Bolivien Rohstoffe wie Zink oder Zinn und bereits behandelte Lederwaren zur weiteren Verarbeitung. Das französische Importvolumen ist mit zwölf Millionen Euro pro Jahr jedoch verschwindend gering.
Französische Investitionsprojekte in dem südamerikanischen Land waren bisher nur teilweise von Erfolg gekrönt. Die Tätigkeit eines Unternehmens für Wasserversorgung führte zu erheblichen Spannungen. Nach der von der Weltbank angeregten Privatisierung der Wasserversorgung in Bolivien, übernahm ein französisches Unternehmen die Versorgung zum Beispiel in La Paz. Seitdem stiegen die Wasserpreise ins unermessliche und waren für viele Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen kaum mehr bezahlbar. Der Fall ist jedoch auch ein gutes Beispiel für eine französisch-bolivianische Kooperation: Ein französischer Europaabgeordneter namens Alain Lipietz hat sich bei dem Unternehmen für die Belange der Einwohner eingesetzt – auch wenn der Versorgungsvertrag letztenendes nach massiven Protesten aus der Bevölkerung komplett vorzeitig beendet wurde.
Ein anderes Feld in dem wirtschaftliche Kooperationen zwischen Frankreich und Bolivien in Zukunft möglich sein könnten, ist die Verarbeitung von Lithium. Bolivien verfügt über große Vorräte des Rohstoffs, der insbesondere für die Batterien von Elektroautos benötigt wird. Diese Nutzungsmöglichkeit spricht für die Zukunftsträchtigkeit des Lithiumabbaus und der Lithiumverarbeitung. Beim Aufbau von eigenen Fabriken zur Verarbeitung des Rohstoffs kann die Hilfe ausländischer Unternehmen (vor allem französischer) von Bedeutung sein.

Abgesehen vom Ausbau der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, versucht Bolivien auch, sein Image als Urlaubsland zu verbessern und Touristen aus europäischen Ländern wie Frankreich, Deutschland oder Italien anzulocken. Auch unabhängig von Sprachreisen ist ein Abenteuerurlaub in Bolivien eine nette Abwechslung zum Urlaub im privaten Ferienhaus in Südfrankreich an der Ardeche.

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